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  • Brigitte Thonhauser-Merk

Arambar

Das Herumlaufen von einer Galerie zur anderen war ziemlich ermüdend. Da saß ich nun in einem kleinen Café unter den Arkaden an einem der schönsten und intimsten Plätze von Paris, der Place des Vosges im Marais Viertel, und trank einen Pernod. Dabei blätterte ich in der Liste, die ich mir zuvor im Gemeindeamt geholt hatte.


Diese enthielt Namen und Adressen von Lokalen, die bereit waren, Künstlern eine Ausstellungsmöglichkeit zu bieten. Wegen der verschiedenen Auswahlkriterien, die darin angeführt waren, engte sich der Kreis immer mehr ein. Schließlich blieb ein einziges Lokal übrig, das für mich in Frage kam: Die Arambar, deren Besitzer, ein Spanier, sich als Mäzen bezeichnete, was bedeutete, dass er keine Miete vom Künstler verlangte. Ich rief ihn also an und vereinbarte einen Besuchstermin. Das Lokal war relativ düster und bestand aus zwei kleinen Räumen.


Es lag im elften Bezirk, von dem es hieß, er würde einmal ein neues Künstlerviertel werden. Eigentlich hätte ich mir einen attraktiveren Ort für meine erste Ausstellung in Paris gewünscht, doch eine Freundin tröstete mich indem sie meinte, dass ich später einmal sagen könnte, meine Anfänge wären – „wie bei so vielen großen Künstlern“ - in der Pariser Bohème gewesen. Zu meiner großen Überraschung schlug der Spanier mir vor, gleich im nächsten Monat auszustellen. Das hieß, ich musste alle Hebel in Bewegung setzen, um die Einladungen, Plakate und vor allem die Bilder zeitgerecht herbeizuschaffen. Ich erhoffte mir Unterstützung vom Österreichischen Kulturinstitut in Paris, doch mehr als eine Notiz im Veranstaltungskalender auf dessen Homepage war nicht drin. Also flog ich nach Wien zurück und organisierte alles Nötige, lud meine französischen Freunde und Bekannten ein, um zwei Wochen darauf mit meinen Bildern wieder nach Paris zu fliegen.


Mein Mann half mir in gewohnter und bewährter Weise beim Aufhängen. Dabei machten wir wieder einmal die Erfahrung, wie sehr ein Raum durch Bilder verändert wird. Das düstere Ambiente war durch die fröhlichen Farben in einen freundlichen Raum verwandelt worden. Es war als herrschte plötzlich ein anderer Geist. Wir hatten so konzentriert gearbeitet, dass uns ein offensichtlich betrunkener Mann an der Bar gar nicht aufgefallen war. Er lag mit dem Kopf auf dem Tisch und döste vor sich hin. Plötzlich schnaufte er kräftig, erhob seinen Kopf und lallte:“Qu’est-ce-que c’est beau!“ (Das ist aber schön!) Danach sank er wieder auf die Bar zurück, doch war diese Bemerkung für mich in diesem Augenblick mindestens ebenso wertvoll und ermutigend wie die positive Kritik eines Kunstkenners.


Zufällig hatte eine Österreicherin, die in einer Pariser Galerie arbeitete, die Annonce auf der Homepage des Österreichischen Kulturinstitutes gelesen und war zur Vernissage gekommen. Sie brachte mich mit der Galeriebesitzerin zusammen, und daraus erwuchs eine fünfzehnjährige fruchtbare Zusammenarbeit. Aber das ist eine andere Geschichte.

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